Pensionäre helfen Schülern

Pensionäre und der Förderverein der Gewerblichen Schule helfen Schülern beim Erreichen eines höheren Bildungsabschlusses.

Ob unzählige Bewerbungen nur mit Absagen beantwortet wurden oder trotz bisher nicht vorhandener Voraussetzungen ein Studium angestrebt wird: Die Gewerbliche Schule bietet vielfältige Möglichkeiten, das Niveau des bisherigen Bildungsabschlusses zu verbessern. Sei es, in einer zweijährigen Berufsfachschule einen mittleren Bildungsabschluss zu erreichen oder als Realschüler im Berufskolleg neben der Berufsausbildung die Fachhochschulreife zu erwerben:

Das dreigliedrige Bildungssystem Baden-Württembergs ist durchlässiger geworden, doch der Weg zum höheren Schulabschluss ist oft sehr steinig.

Der Satz des Pythagoras ist ja vielleicht noch präsent, aber die binomische oder gar die Mitternachtsformel? Irgend etwas war da doch mal – oder doch nicht?
Mathematik: für manche ein Buch mit sieben Sigeln.

„In der Hauptschule hatte ich in Mathe immer eine gute Noten“ erzählt beispielsweise der Schüler Sebastian Konrad, und dies, „ohne viel lernen zu müssen.“ Nun, in der zweijährigen Berufsfachschule, sieht die Situation ganz anders aus, denn: „Aus der Zwei in Mathe wurde eine schlechte Vier.“

Die Anforderungen steigen enorm und neben Mathematik bereiten vielen Schülen vor allem die naturwissenschaftlichen Fächer und Fremdsprachen nicht unerhebliche Schwierigkeiten.

Der Weg zum höherwertigen Abschluss ist nicht immer einfach. Nichts ist umsonst – fast nichts: Probleme in Mathe, den Naturwissenschaften, der Fachpraxis; der Fachtheorie oder den Fremdsprachen: Hilfe ist angesagt – für die Schülerinnen und Schüler kostenlos. Diese erhalten Konrad und seine Mitschüler aus der zweijährigen Berufsfachschule oder anderen Schularten der Gewerblichen Schule seit diesem Schuljahr durch die organisatorische und finanzielle Unterstützung des Fördervereins der Gewerblichen Schule.

Der Grund: Ein „wesentliches Ziel unseres Fördervereins ist es, auch die Schüler auf ihrem Weg zu unterstützen, die sich einen privaten Nachhilfeunterricht nicht leisten können,“ erklärte Reiner Immik, Geschäftsführender Vorsitzender des Fördervereins und Stellvertretender Schulleiter der Gewerblichen Schule.

Das in diesem Schuljahr gestartete Pionierprojekt ist in Baden-Württemberg wohl einzigartig: Ehemalige Lehrer und Pensionäre vermitteln ihr in jahrzehnten gesammeltes Wissen und Können ehrenamtlich gegen eine geringe Aufwandsentschädigung, welche gerade mal die Fahrtkosten ausgleicht, an die jungen Schülerinnen und Schüler. „Für mich ist das, was meine Kollegen und ich hier machen, gelebte Sozialarbeit“ erklärt beispielsweise Pensionär Helmut Kummer. Seine Frau sei ebenfalls ehrenamtlich aktiv; allerdings in der „Altenarbeit“, was ihm allerdings weniger liege, da er es schließlich „jahrzehntelang gewohnt“ sei, mit „jungen Menschen zu arbeiten und diese zu unterrichten.“ Bis zu zwölf Schülern sitzen nachmittags wissbegierig in seinem Klassenzimmer und wenn „mal nur einer da ist, freue ich mich auch“, denn dann „kann ich mich besonders intensiv um dessen Probleme kümmern und wo sonst gibt es das denn noch? Kostenlose Nachhilfeunterstützung“.

Schulleiterin Dr. Isolde Fleuchaus ließ es sich trotz ihres derzeit intensiv und rasantem, grundlegend neu gestaltetendem Schulneuaufbau und hierdurch einschließlich der Wochenenden und Ferien randvoll gebuchtem Terminkalender nicht nehmen, sich ein persönliches Bild vom Erfolg der Förderkurse zu verschaffen. Es sei „vorbildlich und bewundernswert“, mit welch „uneigennützigem sozialem Engagement sich hier an unserer Schule ehemalige Kollegen für die junge Generation, für deren und unsere gesellschaftliche Zukunft einbringen und hierdurch gleichzeitig ihre Nähe und Verbundenheit zu unserer Schule, deren Ziele und unserem neuen Leitbild zeigen“, so Fleuchaus.